Literatur

Vortrag von Prof. Dr. Rainer Schlösser: Vom Latein zum Romanischen

Sprache unterliegt einem kontinuierlichen, meist kaum wahrnehmbaren Wandel. Besonders deutlich wird dies an den romanischen Sprachen, deren Ausgangspunkt das gut belegte Latein bildet. Dadurch lässt sich ihre Entwicklung über mehr als 2000 Jahre hinweg beinahe wie in einem natürlichen Experiment verfolgen. Auf diese Weise können Linguistinnen und Linguisten erkennen, welche Prozesse Lautsysteme, Wortschatz und Grammatik langfristig verändern. Die dabei identifizierten Mechanismen beschränken sich nicht auf den Übergang vom Lateinischen zu seinen Tochtersprachen, sondern gelten grundsätzlich auch für andere Sprachfamilien, etwa das Deutsche.
Der Romanist Rainer Schlösser betont in einem Vortrag, dass Sprachwandel nur dann als solcher gelten kann, wenn er sich über sehr lange Zeiträume vollzieht und von den Sprechenden selbst unbemerkt bleibt. Jede Generation übernimmt und überliefert ihre Sprache selbstverständlich, ohne einen bewussten Bruch wahrzunehmen. In diesem Zusammenhang grenzt er den wissenschaftlichen Begriff des Sprachwandels von aktuellen Debatten ab und kritisiert die Vorstellung, das Gendern sei ein Beispiel dafür. Aus seiner Sicht handelt es sich dabei nicht um einen langsam gewachsenen, unbewussten Prozess, sondern um gezielte Eingriffe in Sprachgebrauch, die nicht dem klassischen Verständnis von Sprachwandel entsprechen.
Sein Vortrag über den Übergang vom Lateinischen zu den romanischen Sprachen behandelt unter anderem die Entwicklung innerhalb des Römischen Reiches, die Ursachen sprachlicher Diversifizierung, Parallelen zwischen romanischen und germanischen Entwicklungen sowie grundlegende strukturelle Unterschiede zwischen Latein und den heutigen romanischen Sprachen.
Zur Veranschaulichung entwirft er das Gedankenexperiment einer lückenlosen familiären Weitergabe von Sprache: Ein Paar im antiken Gallien um das Jahr 20 n. Chr. gibt seine Alltagssprache an nachfolgende Generationen weiter, bis in die Gegenwart. Obwohl sich die Sprache dabei kontinuierlich verändert, erlebt keine Generation einen klaren Übergang oder Bruch. Dennoch bezeichnen wir die frühe Form als Latein und die heutige als Französisch – ohne dass es einen exakt datierbaren Moment der Umstellung gegeben hätte.
Die romanische Sprachgeschichte gilt damit insgesamt als Modellfall für allgemeine Sprachentwicklung, weil sie exemplarisch zeigt, dass Wandel nicht sprunghaft, sondern kontinuierlich und generationenübergreifend verläuft und sich erst im Rückblick als deutliche Differenz zwischen Ausgangs- und Endzustand erkennen lässt.

Seinen etwa einstündigen Vortrag kann man über den folgenden Link verfolgen:

https://www.vhs-wissen-live.de/vortrag/vom-lateinischen-zu-den-romanischen-sprachen.html

Leipziger Buchmesse – Rückblick

Die Leipziger Buchmesse hat gemeinsam mit der Manga Comic Con und dem Lesefestival Leipzig liest einen neuen Höchststand erreicht. Insgesamt strömten 313.000 Menschen zu den Veranstaltungen – so viele wie nie zuvor. Auch bei den Ausstellern gab es einen deutlichen Zuwachs. Ohne die begleitenden Events kamen 2026 insgesamt 2.044 Aussteller aus 54 Ländern nach Leipzig. Das entspricht einem Anstieg von über 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Verantwortlichen sehen in diesen Zahlen eine klare Bestätigung für die Bedeutung der Veranstaltung. Die Buchmesse habe sich erneut als zentraler Ort für Diskussionen etabliert – sowohl im literarischen als auch im gesellschaftlichen und kulturpolitischen Bereich. Besonders hebt sie hervor, dass die große thematische Vielfalt ein breites Publikum anzieht und die Messe stärker denn je wahrgenommen wird. Gleichzeitig schätzen Verlage die Plattform, um ihre Neuerscheinungen einem großen Publikum vorzustellen. Die Branche habe ihre inhaltliche Vielfalt eindrucksvoll präsentiert und zugleich Haltung zu wichtigen Werten gezeigt. Um diese Funktion langfristig zu sichern, seien jedoch verlässliche politische Rahmenbedingungen notwendig – etwa im Umgang mit Künstlicher Intelligenz oder bei der Förderung von Lese- und Medienkompetenz.
Inhaltlich stand 2026 die Donauregion im Mittelpunkt. Unter dem Motto „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ präsentierten über 50 Autorinnen und Autoren in zahlreichen Veranstaltungen die kulturelle und gesellschaftliche Vielfalt dieser Region.

https://www.ndr.de/kultur/bilanz-so-war-die-leipziger-buchmesse-2026,audio-453116.html

edition – Fachzeitschrift für Terminologie

Kenntnisse aktueller Terminologie in allen ihren Facetten ist für professionelle Fachübersetzung von besonderer Relevanz. Die Fachzeitschrift edition wird vom Deutscher Terminologie-Tag e.V. herausgegeben und besteht bereits seit 2005. Pro Jahr erscheinen zwei Ausgaben, jeweils im Sommer und im Winter. Angesprochen sind Fachleute ebenso wie Interessierte, die sich mit Fragen der Benennung, Begriffsbildung und Terminologiesystematik beschäftigen.Das inhaltliche Spektrum reicht von anwendungsbezogenen Beiträgen über wissenschaftliche Analysen bis hin zu Themen aus Studium und Weiterbildung. Darüber hinaus greift die Zeitschrift Fragestellungen aus angrenzenden Disziplinen auf, in denen terminologische Präzision eine wichtige Grundlage fachlicher Arbeit bildet – auch wenn Terminologie dort nicht im Mittelpunkt steht.

In der aktuellen Ausgabe wird das Thema „Terminologie und KI – Eine smarte Verbindung“ behandelt. Oft wird Terminologie als Sammlung eindeutig definierter Benennungen verstanden. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass Fachausdrücke je nach Zusammenhang mehrere Bedeutungen annehmen können. Dabei nimmt die Unschärfe mit wachsendem Abstraktionsgrad des Fachgebiets zu: Während Bezeichnungen im handwerklich-technischen Bereich meist klar abgegrenzt sind, weisen wissenschaftliche Termini – selbst in Disziplinen wie der Biologie – häufig Bedeutungsvarianten auf. In den Geistes- und Sozialwissenschaften verstärkt sich dieses Phänomen noch. Gerade deshalb ist die Identifikation und automatische Extraktion von Termini in solchen Bereichen besonders anspruchsvoll. Zugleich lassen sich aus der Bewältigung dieser Schwierigkeiten wichtige Impulse für technische Anwendungsfelder gewinnen.

Mehr dazu in der online abrufbaren Ausgabe von edition: https://www.dttev.org/edition

Auf unserer Webseite finden Sie weitere relevante Fachliteratur zu den Themen Terminologie und Fachübersetzungen.

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