Die Initiative „Unwort des Jahres“ hat 2025 den Begriff „Sondervermögen“ als Unwort ausgewählt. Der Begriff wurde 2025 verstärkt in politischen Debatten über Staatsverschuldung und Investitionsprogramme verwendet. Ursprünglich aus der Wirtschafts- und Verwaltungssprache stammend, bezeichnet er fachlich einen Nebenhaushalt, der zur Erfüllung bestimmter Aufgaben eingerichtet wird und mit Schulden oder Kreditermächtigungen verbunden ist. Im Alltag wird darunter jedoch meist eine besondere Menge von Vermögen verstanden, was den Ausdruck positiv oder harmlos erscheinen lässt. Diese Diskrepanz führt dazu, dass die tatsächliche Bedeutung – die Aufnahme von Schulden – verschleiert wird.
Auf Platz zwei landete das „Zustrombegrenzungsgesetz“. Der Begriff benutzt eine Wasser-Metapher, um Migration als Bedrohung darzustellen, wodurch Menschen entpersönlicht und ihr individuelles Schicksal ausgeblendet wird. Solche Formulierungen tragen zur Diskriminierung bei und werden durch gesetzliche Bezeichnungen zusätzlich institutionalisiert.
Das persönliche Unwort des diesjährigen Gastjurors Ronen Steinke lautet „Umsiedlung“. Politiker nutzten den Ausdruck 2025, um die gewaltsame Vertreibung der Bevölkerung des Gazastreifens als scheinbar freiwillige Maßnahme darzustellen, was Zwang und Gewalt verschleiert.
Für 2025 gingen 2.631 Vorschläge ein, davon erfüllten etwa 70 die Kriterien der Jury. Häufig genannt wurden u. a. Begriffe wie „Deal“, „Friedensangst“ oder „umstritten“. Die Auswahl der Unwörter soll die öffentliche Aufmerksamkeit auf manipulative und irreführende Sprache lenken und zu mehr Klarheit in der politischen Kommunikation beitragen.
https://www.tagesschau.de/inland/unwort-des-jahres-sondervermoegen-102.html